FINNISH RADIO SYMPHONY ORCHESTRA
HANNU LINTU Dirigent
SOL GABETTA Violoncello


Sol Gabetta (c) Marco Borggreve

Die argentinische Cellistin Sol Gabetta bringt die Seelen ihrer Zuhörer zum Schwingen. Der Kraft und Intensität ihres von Leidenschaft getriebenen Spiels kann sich kaum jemand entziehen.

Bei ihrer Stippvisite in Berlin spielt sie mit dem Finnish Radio Symphony Orchestra unter der Leitung von Hannu Lintu das zauberhafte Cellokonzert von Martinů. Wunderbar hat der tschechische Komponist hier die Volksmusik seiner Heimat mit der Musiksprache des 20. Jahrhunderts verknüpft. Der virtuose Solopart ist dabei sehr vertrackt, vermittelt aber ebenso Gefühle großer Schönheit. Flankiert wird das Werk von Strawinskys Sinfonie in 3 Sätzen und der 5. Sinfonie des finnischen Nationalkomponisten Jean Sibelius, der auf einer scheinbar niemals enden wollenden Suche nach dem perfekten Klang drei Anläufe für diese Sinfonie benötigte. Ein "Ringen mit Gott" nannte Sibelius schließlich den sich über fünf Jahre erstreckenden Entstehungsprozess dieses Meisterwerkes.

 

 

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DIE EUROPATOURNEE DES FINNISH RADIO SYMPHONY ORCHESTRA

100 Jahre Unabhängigkeit, 90 Jahre Finnish Radio Symphony Orchestra (FRSO) und 50. Geburtstag seines Leiters Hannu Lintu – drei allerbeste Gründe zum Feiern im Land der tausend Seen. Den nationalen Feierlichkeiten mit dem zentralen Festakt am 6. Dezember 2017, an dem u.a. zwei Auftragskompositionen in Helsinki zur Uraufführung kommen, folgt im März 2018 eine Europatournee des FRSO mit der Cellistin Sol Gabetta, die das finnische Spitzenorchester und seinen hierzulande bestens beleumundeten Dirigenten nach München, Berlin, Heidelberg und Köln führt.

Es gibt wohl kein zweites europäisches Land, bei dem der nationale Unabhängigkeitskampf so eng mit der klassischen Musikkultur verwoben ist wie Finnland. Das dort seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wachsende Bedürfnis nach einer eigenen Musiksprache im damals unter russischer Hoheit stehenden nordeuropäischen Großfürstentum trieb äußerst klangvolle Blüten: Frederic Pacius (ein gebürtiger Hamburger!) schuf 1852 mit „König Karls Jagd“ die erste finnische Nationaloper, 1882 gründete Robert Kajanus das erste Sinfonieorchester des Landes und ein gewisser Jean Sibelius brachte seit den Neunzigerjahren zahlreiche, u.a. auf die finnische Mythologie Bezug nehmende Kompositionen an die Öffentlichkeit – daneben 1899 auch seine Sinfonische Dichtung „Finlandia“, die der Komponist als „Kampflied und Siegeshymne“ bezeichnete und die schon bald nach ihrer Uraufführung durch die russischen Behörden mit einem Aufführungsverbot belegt wurde. Der so befeuerte Nationalstolz der Finnen ließ sich jedoch politisch nicht mehr unterdrücken. Und damit hatte schließlich die heimische Musikszene einen nicht unerheblichen Beitrag dazu geleistet, als der nationale Selbstfindungs- und -behauptungsprozess vor hundert Jahren – am 6. Dezember 1917 – in der Unabhängigkeitserklärung Finnlands mündete.

Der Dirigent Hannu Lintu zählt zu den international erfolgreichen Absolventen der Sibelius-Akademie in Helsinki: Dort studierte er zunächst Violoncello und Klavier, bevor er anschließend beim legendären Jorma Panula in die Dirigierlehre ging. Im Konzertsaal präsentiert sich der vor wenigen Wochen 50 Jahre alt gewordene Finne in – man möchte sagen – typisch nordischer Introvertiertheit: „Ich lächle lieber einmal zu wenig als einmal zu viel. Mir ist es viel wichtiger, dass ich wahrhaftig mit den Werken umgehe und dabei auch meine eigene Stimme gehört wird. Das Publikum sollte immer merken, warum ich gerade dieses Stück aufführen möchte und was die Intention des Komponisten war.“ Hannu Lintu ist in Deutschland ein gern gesehener und viel gebuchter Gastdirigent: Zuletzt gab er im April sein Debüt beim Staatsorchester Stuttgart, im Mai überzeugte er dann als Einspringer für den erkrankten Christoph von Dohnányi bei der NDR Elbphilharmonie und im November 2016 hatte er am Pult des Deutschen Symphonie-Orchesters in der Berliner Philharmonie mit „seiner unprätentiösen Kunst [begeistert], die nicht versucht, dem Publikum zu vermitteln, was es zu fühlen habe, und die es mit sparsamen Gesten doch vermag, doppelte Emotion und Leuchtkraft vom Orchester abzurufen“ (Der Tagesspiegel).

Seit 2013 wirkt Hannu Lintu als Chefdirigent des Finnish Radio Symphony Orchestra (FRSO), das heuer sein 90-jähriges Bestehen feiert. 1927 gegründet – und damit in jenem Jahr, als Sibelius mit der Bühnenmusik „Der Sturm“ seine letzte Komposition fertigstellte –, gilt das FRSO heute als Klangkörper von Weltrang: „akribisch im Zusammenspiel, kultiviert im Ton, fast aristokratisch“, so schrieb The Times. Nun kommen das FRSO und sein Leiter Hannu Lintu auf Europatournee – mit vier Auftritten in Deutschland. Bei den Konzerten in München (12.3.), Berlin (13.3.), Heidelberg (18.3.) und Köln (19.3.) stehen jeweils eine Sibelius-Sinfonie und das Cellokonzert von Bohuslav Martinů auf dem Programm, individuell ergänzt durch Peter Tschaikowskys Sinfonie Nr. 5 (München/Heidelberg) bzw. Igor Strawinskys „Sinfonie in drei Sätzen“ (Berlin/Köln).

In Deutschland bringt das FRSO unter Lintu zweimal (Berlin/Köln) die Sinfonie Nr. 5 Es-Dur op. 82 zur Aufführung – jenes Werk, dessen finale Version 1919 am Ende eines fünfjährigen Entstehungsprozesses stand, den Sibelius selbst als ein „Ringen mit Gott“ bezeichnete in dem Bemühen, „der Sinfonie eine andere, humanere Form zu geben: erdbezogener, lebendiger“.

Zudem ist das Violoncellokonzert Nr. 1 von Bohuslav Martinů mit der Weltklasse-Cellistin Sol Gabetta ein durchgängiger Programmpunkt der vier Deutschland-Konzerte. Die Musik des tschechischen Komponisten kennzeichne „eine eigene Introvertiertheit und sei dennoch höchst emotional“, womit Lintu die stilistische Brücke zu einem zentralen finnischen Charakterzug schlägt.

 

 

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