Die Geschichte der Konzertdirektion Hans Adler

Die Gründung

Berlin, im Herbst 1918: Für den 27-jährigen Hans Adler ist es nach getanem Dienst für sein Land an der Zeit nach vorne zu blicken und sich die erträumte Zukunft als Unternehmer aufzubauen. Der gelernte Musikalienhändler und Verlagskaufmann sowie studierte Pianist beschließt, seine Leidenschaft für die klassische Musik zum Beruf zu machen. Mit einem Startkapital von nur 70.000 Goldmark gründet er allen Widerständen zum Trotz am 1. Oktober 1918 die Konzertdirektion Hans Adler in Berlin. Kein Geringerer als Richard Strauss war es, dessen Unterstützung schließlich die offizielle Anerkennung der neu gegründeten Firma ermöglichte.

Erste Erfolge

Der Jungunternehmer muss sich gegen starke Konkurrenz durchsetzen, doch Hans Adler lässt sich nicht beirren. Sein Debüt als Konzertveranstalter gibt er mit einem Liederabend des Pianisten Artur Schnabel und seiner Gattin, der Altistin Therese Schnabel. Schon bald gehören weitere namenhafte Klaviervirtuosen zu seinen Klienten – darunter Walter Gieseking und Alfred Cortot. Für den 5. Dezember 1925 kündigt er das Deutschland-Debüt eines sensationell begabten jungen Russen an: Vladimir Horowitz. Mit Richard Strauss veranstaltet Hans Adler ebenso Konzerte wie mit Bruno Walter. Insbesondere zu Paul Hindemith entsteht eine enge Verbindung – viele Jahre vertritt er den dirigierenden Komponisten im Konzertbereich.

In zweiter Generation

1920 heiratet Hans Adler die Malerin Herta Kaupe, acht Jahre später kommt ihr erster Sohn zur Welt: Witiko wächst in einem künstlerischen Umfeld auf, begeistert sich zunächst vor allem für die Architektur und plant nach seiner Rückkehr aus dem Zweiten Weltkrieg in diesem Bereich beruflich tätig zu werden. Als beim Vater Knochen-Tuberkulose festgestellt wird ändern sich die Pläne des Sohnes schlagartig. 1948 – Witiko ist mit 20 Jahren noch nicht einmal volljährig – verstirbt Hans Adler mit 57 Jahren. Die Jahre der Naziherrschaft hatten bei Adlers ihre Spuren hinterlassen. Von Beginn an hielt das Ehepaar zu seinen jüdischen Künstlern, setzte sich für jene ein, die vom System drangsaliert wurden und lehnten sich dabei sogar gegen das Propagandaministerium auf.

Die Nachkriegsjahre

Nach dem Tod ihres Mannes möchte Herta Adler die Konzertdirektion schließen – doch der Sohn hält am Lebenswerk des Vaters fest. Er macht es sich zum Ziel, von den Nazis vertriebene Interpreten nach Deutschland zurückzuholen und eine neue Künstler-Generation aufzubauen. Es entstehen teils lebenslange Beziehungen zu Größen des Klassikbetriebs, beispielsweise zu Otto Klemperer oder Friedrich Gulda, den Adler 1950 als 19-Jährigen erstmals in Berlin präsentiert. Im Jahr 1954 veranstaltet Witiko Adler den Zyklus »Pro Musica« – die erste Abonnement-Reihe für Kammermusik im Berliner Konzertleben der Nachkriegszeit.

Klassik-Stars bei Adler

Es ist Yehudi Menuhin, der 1947 als erster international bekannter jüdischer Künstler nach dem Krieg wieder in Deutschland auftritt. Und es ist Witiko Adler, der den Künstler in Deutschland vertritt, fünf Jahrzehnte lang bis zu seinem Tod 1999. Im Jahr 1963 arrangiert Witiko Adler das Berlin-Debüt eines vielversprechenden argentinischen Pianisten: Daniel Barenboim, der der Konzertdirektion Hans Adler bis heute eng verbunden ist. Ob Claudio Abbado, Lorin Maazel, Bernard Haitink oder Zubin Mehta – Witiko Adler holt sie alle erstmals nach Deutschland. Auch das legendäre erste Probespiel von Anne-Sophie Mutter für Herbert von Karajan 1976 arrangiert der Konzertveranstalter.

Ein unschlagbares Team

Auf Bitten ihres späteren Mannes Witiko entschließt sich Jutta Adler, geborene Riedel, 1985 in die Konzertdirektion einzutreten. Zusammen mit ihrem Mann verantwortet Jutta Adler maßgeblich das aktuelle Tagesgeschäft. Dabei etabliert sie die Konzertzyklen und Veranstaltungen des Unternehmens als festen Bestandteil des Berliner Kulturlebens. Auch die Vermittlung nationaler und internationaler Musikerinnen und Musiker in alle Welt und die Organisation von Tourneen liegen zunehmend in ihren Händen. 

Die gesicherte Zukunft

Im Herbst 2020 hat die Konzertdirektion Hans Adler ihre internen Strukturen neu aufgestellt. Mit Andreas Schessl und Reinhard Söll wurde das Unternehmen an zwei langjährige Partner der Konzertdirektion übergeben, die mit »First Classics Berlin« seit 2010 bereits zahlreiche hochkarätige Konzerte in Berlin veranstaltet hatten. In der Tradition und ganz im Sinne der Firmenphilosophie von Witiko und Jutta Adler können so gemeinschaftlich Visionen für die Zukunft entwickelt und mit viel Leidenschaft spannende Konzertprogramme kreiert werden.