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NEMANJA RADULOVIC_ Lucas Rotter DG
© Lucas Rotter DG
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Kammermusiksaal

Nemanja Radulović

Double Sens

  • Vivaldi: „Die Vier Jahreszeiten“ op. 8
  • Sedlar: „Spring in Japan“
  • Rimsky-Korsakow: „Scheherazade“ op. 35

Nemanja Radulović - Violine
Double Sens

Montag, 6. März 2023

Kammermusiksaal
Tickets ab 40,– €
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NEMANJA RADULOVIC
Nemanja Radulović © Özge Balkan

Nemanja Radulovićs Geigenspiel, so heißt es, wird ebenso sehr vom Herzen wie von den gedruckten Noten gesteuert. Immer musikantisch, immer lebendig und immer intensiv sind seine Auftritte, in denen die Magie des konzertanten Augenblicks zelebriert wird. Mit seiner charismatischen Bühnenpräsenz und der atemberaubenden technischen Brillanz, die er in die Musik einbringt, schafft er sich interpretatorische Freiräume, in denen er beispielsweise Rhythmen, Tempi und Dynamik bisweilen so auf die Spitze treibt, dass die Musik kaum noch hörbar scheint. Es sind die Intensität und Authentizität seiner Auftritte, mit denen er sein Publikum in den Bann zieht und mitnimmt auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle, bei denen Stimmungsschwankungen von Nachdenklichkeit bis zu sprunghafter Lebhaftigkeit im Handumdrehen geschehen können.

Ebenso persönlich ist seine Programmgestaltung: „Für mich gibt es Musik, die ich gern spiele und Musik, die ich nicht so gern spiele“, so Radulović, „Und da bin ich offen für ganz unterschiedliche Musikstile, nicht nur für Klassik, sondern auch traditionelle Musik, Pop, Rock oder Heavy Metal. Ich mag einfach gute Musik, und die kann man überall finden. Ich denke, wir können unsere Inspiration aus verschiedenen Traditionen ziehen, aus unterschiedlichen Kulturen und Genres.“ Ein gutes Beispiel dafür ist Aleksandar Sedlars ‚Spring in Japan‘. Das Stück porträtiert bedrückend eindrucksvoll das große Tōhoku-Erdbeben und den Tsunami im März 2011 und bedient sich auch Klängen populärer Musik, um die Qual des Ereignisses anzudeuten. Radulović nutzt die befreiende Wirkung der Musik, um die Intensität des menschlichen Lebens musikalisch greifbar zu machen und die Gefühle in Klangschönheiten zu wandeln, wodurch etwas unendlich Tröstliches entsteht.

Dass Radulović um Vivaldis ‚Vier Jahreszeiten‘ viele Jahre einen Bogen machte, mutet seltsam an, hat aber eine relative simple Erklärung: „Jeder spielt die ‚Vier Jahreszeiten‘, schon deshalb wollte ich das lange Zeit nicht. Schließlich habe ich mir dann aber doch die Noten vorgenommen und gesehen, dass sie tatsächlich unendliche Möglichkeiten bieten: Man kann ein ganzes Leben damit verbringen, diese Möglichkeiten zu entdecken. Es wird schon einen Grund geben, warum dieses Werk so bekannt ist.“ Wie stets bei den Werken der alten Meister nähert sich Nemanja Radulović dem Stück mit Demut und Reife. Dazu gehört für ihn auch, es von musealer Verstaubtheit zu befreien. „Unser Blickwinkel vom Ensemble Double Sens auf das Stück soll auch eine Verbindung zur heutigen Zeit herstellen. Vor allem streben wir eine natürliche Interpretation an. Alles hat sich verändert, seit dieses Werk komponiert wurde, die Tempi, die Möglichkeiten der Instrumente, das Wetter – sogar die Jahreszeiten. Und so suchen wir nach einer modernen, zeitgemäßen Version – ohne den Notentext zu verlassen, es ist kein Crossover, aber es ist eben modern und nicht so barock.“

 

Kammermusiksaal

Herbert-von-Karajan-Straße 1
10785 Berlin